Schinkenröllchen

Der Herr Kater hat seine Eigenheiten. Ist er mit seinem Futter zufrieden, so frisst er über Monate hinweg nur eine Sorte und nur von einem Hersteller. Versuchte die Familie ihm Futter eines anderen Discounters unterzuschieben, so zog er beleidigt ab. Pute und Hase in Gelee fraß er fünf Monate lang. Dann, von einem Tag auf den anderen rührte er diese Sorte nicht mehr an  – er fraß erst mal nur noch Schinkenröllchen.

Ein paar mal hab ich noch versucht ihm das Gelee-Futter unterzujubeln, natürlich vergeblich. Und hätte der Kater menschliche Mimik, so hätte er dabei vor Ekel das Gesicht verzogen. So drehte er nur den Kopf weg. Und ich, ich machte meinen Faux-Pas bei ihm mit einer extra Portion Schinkenröllchen wieder gut.

Inzwischen haben wir seine Ernährung ganz auf Putenbrustschinkenröllchen aus dem Feinkostladen umgestellt, die wir heimlich mit Vitaminen anreichern; Ich verzichte derweil auf mein Mittagsmenü in der Kantine, irgendeiner muss ja das „Katzenfutter“ gegenfinanzieren. Gut, dass der Herr Kater keinen Serrano-Schinken mag.-vdb

Jahresendwahnsinn

Mein Zweibeiner regt sich zwar immer über den „Jahresendwahnsinn“  auf, und dass alle verrückt werden und dass sich die Termine drubbeln. Aber: Er sieht auch „die guten Seiten“ und freut sich über ein anderes Phänomen. Denn jetzt beginnt die Plätzchen- und Süßigkeitenzeit im Büro. Alle möglichen Leute schauen vorbei und spendieren hier mal eine Tüte mit Schokoplätzchen, ein Kollege bringt immer Spritzgebäck mit und während der Termine gibt es „jetzt auch ständig was zu essen“.

Doch ist die Adventszeit zur Hälfte um, fängt mein Zweibeiner an zu nörgeln: „Immer das süße Zeug“, „etwas Herzhaftes wäre jetzt toll“, „was würde ich jetzt für ein knuspriges Grillrippchen geben“ – so tönt er immer herum.

Dann meckert er, weil die Hemden nach dem Waschen eingelaufen sind und überhaupt, er habe jetzt schon von Weihnachten die Schnauze voll. Und wenn im Autoradio ‚Last Christmas‘ gespielt wird, dann kriegt er wieder Puls.

Holzmedien

Mein Zweibeiner arbeitet bei der Zeitung. Das ist so ein Bündel mit bedrucktem Papier, das jeden morgen gebracht wird. Der Zweibeiner schreibt alles auf, was so passiert, es wird gedruckt und viele Leute lesen das. Manche aber lachen und sagen „Holzmedien“ zur Zeitung und sagen, dass es viel cooler sei online zu publizieren, sie würden sowieso alles mit dem Handy lesen. Und dass es irgendwann gar keine Zeitung mehr geben werde und es gebe doch alles umsonst im Internetz und da bräuchten sie kein Bezahl-Abo.

„Zeitung – wer will denn sowas noch!?“ hat da einer gehöhnt. Diesen Typen, so einer der „ständig irgendwas pupsen und posten“ müsse, wie mein Zweibeiner sagt, den könne er  ohnehin nicht leiden und dann regt er  sich immer auf. Irgendwer müsse doch die Inhalte auch produzieren, das müsse doch auch finanziert werden und immer alles umsonst im Internet, das gehe doch nicht.

Neulich hat sich mein Zweibeiner gefreut. Da ist dem einen – der immer über die Holzmedien lästert – beim Spiegel-Online-Lesen sein Handy in die Wanne gefallen. Sein „Endgerät“ ist jetzt Schrott. Und: Bei einem Pressetermin haben sich die Kinder gefreut, dass sie in die Zeitung kommen. Und der Typ von der Online-Zeitung war sauer, weil die Kinder und Jugendlichen offenbar Zeitung irgendwie seriöser und relevanter fanden. Und: Eine Kulturtante hat meinen Zweibeiner gebeten, doch noch mal die Ankündigung für das Konzert in die Zeitung zu setzen, sonst würde ja keiner kommen. Die Zeitung sei doch „irgendwie nachhaltiger“ hat sie gesagt, als der Typ von der Online-Zeitung dabei war.

Für meinen Zweibeiner war das ein guter Tag, abends hat er mit seiner Zweibeinerin ein extra Glas Wein darauf getrunken. Und für mich fiel eine extra Scheibe gekocher Schinken ab:). Irgendwie findet mein Zweibener es gut so. „Wir haben Holzmedien aber auch Online-Portale. Wir bedienen eben alle Kanäle“, sagt er. „Und die doofe Online-Zeitung nur einen.“

Es piept

Mein Zweibeiner hat ein neues Auto, oder besser gesagt ein anderes. Es ist etwas neuer und moderner als das bisherige und es nervt ihn. Irgendwie kommt er psychisch mit dieser neuen Technik nicht zurecht. Vor allem wird er ganz rappelig, weil das Auto ständig piept: Fährt er rückwärts, piept es, ist die Tür auf, piept es, ist das Licht an, piept es. Ist er oder ein Mitfahrer nicht schnell genug angeschnallt, piept es  und dann besonders penetrant. Nervige rotleuchtende Computermitteilungen – machmal auf Deutsch, manchmal auf Englisch – tun ihr übriges: Jetzt bald Ölwechsel! oder: Fuel Level low!

„Dieses Auto entmündigt mich“, schreit mein Zweibeiner dann. Besonders schlimm wirds, wenn jemand mitfährt und sich nicht so schnell anschnallen kann, der Benzinlevel wieder mal low ist und sein Lieblingslied von der Verkehrsdurchsage unterbrochen wird.

Und wenn dann auch noch sein Handy röhrt, dann muss er wieder eine von den kleinen Pillen einwerfen.