Beim Tierarzt

Der Kater ist krank. Und er ahnt, was im blüht: Der Besuch beim Tierarzt. Man sollte ja meinen, er sei ganz froh, schließlich folgt auf so einen Arztbesuch ja meist die baldige Genesung. Doch der Kater sieht offensichtlich nicht auf Anhieb den Zusammenhang zwischen Spritze und Gesundung. Und so mobilisiert er noch mal schnell ein paar Ressourcen und will rasch beim Anblick der Transportbox verschwinden. Doch gegen drei Zweibeiner mit einem Spannbetttuch ist ein kranker Kater hilflos und er landet in der Box. Dann geht es per Auto in Richtung Tierarzt

Autofahren verträgt er nicht, deshalb jammert er kläglich und aufs Wartezimmer freut er sich sicher auch nicht. In der Tat: So trifft er dort auf andere Leidensgenossen, denen er sonst in der Regel gerne aus dem Weg geht. Hunde in allen Größen und Formen, Katzen aller Farben, sprechende Vögel, Nager, diverse Reptilien. Dazu gesellt sich eine Vielfalt an Geräuschen, die vom ängstlichen Fiepen bis hin zu nervösem Bellen reicht.
Und die Luft ist zum Schneiden: Es riecht nach ungewaschenen Herrchen oder Frauchen, nassem Hund, Angst und nach Dingen von denen Menschen mit ihren unempfindlichen Nasen nie auch nur eine Ahnung haben werden.

Dann geht es schnell ins Behandlungszimmer. Und die Ärztin hat Respekt vor nervösen, kranken Katzen. Wer weiß, wie viele Verzweifelungsbisse sie schon abbekommen hat. Doch mit dem Griff seiner Vertrauensperson im Nacken bleibt er ruhig, lässt sich Fieber messen, nimmt die Spritze hin, lässt sich stumm den fiesen Abszess hinterm Ohr leer räumen und versorgen.

Und dann hat er es überstanden. Das merkt der Kater: Er entspannt sich. Und auf der Rückfahrt ist kein Laut von ihm zu hören. Zuhause springt er aufs Sofa, rollt sich zusammen und pennt. Er zuckt im Schlaf, die Pfoten bewegen sich. Wer weiß, was er träumt.
Peter von der Beck

Schinkenröllchen

Der Herr Kater hat seine Eigenheiten. Ist er mit seinem Futter zufrieden, so frisst er über Monate hinweg nur eine Sorte und nur von einem Hersteller. Versuchte die Familie ihm Futter eines anderen Discounters unterzuschieben, so zog er beleidigt ab. Pute und Hase in Gelee fraß er fünf Monate lang. Dann, von einem Tag auf den anderen rührte er diese Sorte nicht mehr an  – er fraß erst mal nur noch Schinkenröllchen.

Ein paar mal hab ich noch versucht ihm das Gelee-Futter unterzujubeln, natürlich vergeblich. Und hätte der Kater menschliche Mimik, so hätte er dabei vor Ekel das Gesicht verzogen. So drehte er nur den Kopf weg. Und ich, ich machte meinen Faux-Pas bei ihm mit einer extra Portion Schinkenröllchen wieder gut.

Inzwischen haben wir seine Ernährung ganz auf Putenbrustschinkenröllchen aus dem Feinkostladen umgestellt, die wir heimlich mit Vitaminen anreichern; Ich verzichte derweil auf mein Mittagsmenü in der Kantine, irgendeiner muss ja das „Katzenfutter“ gegenfinanzieren. Gut, dass der Herr Kater keinen Serrano-Schinken mag.-vdb